Hilfsprojekt von Rot. Beat Ineichen in Tanzania

Samstag, 14. September 2024

Dank massgeblicher Anschub- und Mitfinanzierung unseres Rotary Clubs Entlebuch konnte Rotary-Kollege Beat Ineichen in Tansania zwei Kliniken aufbauen. So erhalten in Sanya Juu und Mivumoni hunderte Patienten monatlich Zugang zu europäischem Medizinstandard, von digitalem Röntgen bis hin zu einem neuen Haus für Mutter und Kind.


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Sanya Juu und Mivumoni ─ Eine rotarische Erfolgsgeschichte

Report 2024 von Rot. Beat Ineichen

Im September 2013 kam ich nach Tanzania, nachdem ich einen grossen Container mit Klinikbetten, meinem gesamten Praxismobiliar und weiteren nützlichen Dingen dorthin gesandt hatte. Meine Idee, drei Monate zu bleiben, überholte sich rasch. Sehr früh sah ich, dass in den bescheidenen Verhältnissen in Sanya Juu keine vernünftige Medizin betrieben werden kann. Die «Allgemeinpraxis» bestand aus einem 16m²grossen Raum, einem Pult und einem Blutdruckmessgerät. Daneben ein kleines Labor für Stuhl- und Urinuntersuchungen. Blutuntersuchungen wie Hämoglobin, Blutzucker etc. waren nicht möglich, sind aber für eine saubere Diagnostik unbedingt notwendig. Ich berichtete das meinem Rotary Club Entlebuch, worauf der damalige Präsident Reto Sieber den Versuch unternahm, einen Global Grant zu wagen. Später versandete die Idee, weil in Afrika niemand zuständig sein wollte.

Anschub für Tagesklinik

Immerhin begann eine grossangelegte Spendenaktion, was mir im Oktober 2013 den Anschub gab, eine neue Tagesklinik zu bauen. Ich bearbeitete Grundrisspläne und unterbreitete sie der Ordensleitung der Kapuzinerinnen von Maua. Sie waren sehr erfreut. Der in Tanzania lebende Architekt Harald Frey bearbeitete meinen Grundrissplan zum Architekturplan. Damit gingen wir den Instanzenweg des Staates bis hin zu Baubewilligung.

Im April 2014 bezogen wir das baulich und vor allem technisch erweiterte Labor, das nun europäischen Standard aufwies. Im September 2014 begann der Bau der Klink. Das rotarische Konto war unterdessen auch mit anderweitigen Spenden so weit angewachsen, dass wir diesen Angriff bewältigen konnten, zunächst eine erste Etappe von 300 m² inklusive einer leistungsfähigen Photovoltaikanlage, die genügend Tag und Nacht Strom für den ganzen Klinikbereich mit Klinik, Augenklinik und Labor liefert.

Im Oktober 2015 fand die Einweihung durch Bischof Felix Gmür im Beisein von 14 Rotariern statt. Bis zur Eröffnung im März 2016 musste allerdings die ganze Klinik durchorganisiert werden. Dabei waren wir auf die Hilfe der Baldegger-Schwestern von Rhotia angewiesen. Sie haben uns die Abläufe in ihrer Klinik erklärt und wir haben sie 1:1 übernommen. Neu und nicht sehr einfach war die Einführung einer einheitlichen Krankengeschichte.

Der Erfolg stellte sich ein. Die Klinik hatte nun Untersuchungs- und Diagnostikräume mit EKG, Lungenfunktion, Ultraschall, Audiometrie und einem leistungsfähigen Labor. Dazu als absolutes Novum in der ganzen Region eine Physiotherapie. Die entsprechenden Fachkräfte wurden zur Ausbildung geschickt. Von anfänglich gut 100 Patienten pro Monat im Jahr 2013 sind es Ende 2023 rund  800. Die Synergien mit der seit 2001 bestehenden Augenklink sind evident, wir haben auch diese verbessert und u.a. ein neues Operationsmikroskop angeschafft.

Die zunehmende Patientenzahl veranlasste uns 2021 die Klinik, um 200 m² zu erweitern und mit einem zusätzlichen Bau Platz für «ziviles» Personal zu schaffen. Ende 2022 wurden diese Neubauten bezogen. 2013 begann ich mit 3 Personen, 1 zivile Clincal Officer, einer Allround-Nurse und einer Schwester im Labor. Ende 2023 beschäftigen wir 18 Personen, 7-8 Kapuzinerinnen, 10-12 «zivile», davon 4-5 Lehrstellen.

Die von Rotary angeschobene und weitgehend mitfinanzierte Klinik ist eine Erfolgsgeschichte, die ohne den grossen Einsatz des Rotary Club Entlebuch niemals möglich gewesen wäre. Wichtig war auch, dass der Orden der Maua-Kapuzinerinnen die Chance verstand und nutzte, Personal rekrutierte und ausbildete.

Mivumoni

Nahe Pangani im Busch am indischen Ozean haben die Maua-Schwestern eine weitere Station. Auch dort fand ich ein völlig untaugliches medizinisches Dispensary mit noch schlimmeren Verhältnissen als in Sanya Juu. Der Erfolg der Klinik in Sanya Juu ermunterte mich, auch dort einen Neubau zu planen und durchzuführen.

Ich begann mit einem Fund-Raising und gründete einen Verein «Mivumoni» mit dem Zweck, das Projekt zu unterstützen und Spenden steuerlich zu befreien, was seit 2017 der Fall ist. Ich konnte nun mit den

Erfahrungen, die ich bisher machte, eine Klinik gänzlich nach durchstrukturierten Ideen planen und bauen. Sie ist gelungen und ich betrachte sie als mein «Meisterstück». Im Januar 2019 haben wir sie eingeweiht und sogleich bezogen, die Organisation ist analog jener in Sanya Juu, was Personaleinsatz, Abläufe und Formularwesen erleichtert. Die Einrichtung mit Physiotherapie, Labor und Diagnostikräumen ist ebenso gleich. Weil im Umkreis von 50 km kein Röntgengerät vorhanden ist, haben wir dank einer Sponsorin eines eingerichtet. (Jenes im «Governments-Hospital» in Pangani ist seit 10 Jahren «not working»). Nach endloser Prozedur mit immer neuen Auflagen ist das Gerät nun in Betrieb.

Dank digitaler Bilder kann ich sie auch in Escholzmatt befunden. Ich werde allerdings bald hin gehen und einige Schwestern in einfacher Radiologie unterrichten: Indikation, Exposition, richtige Lagerung etc. und ihnen erklären, mit welchen Algorhythmen Bilder zu beurteilen sind. Das ist für die ganze grosse Region südlich von Tanga ein Quantensprung! In dieser tropischen Gegend mussten wir auch eine eigene Wasserversorgung einrichten. Eine von uns angeschaffte neue Grundwasserpumpe bringt nun genügend sauberes Trinkwasser in einen «Wasserturm» mit einem 10'000 Liter Tank und von dort in die Räume. Für die Wäscherei und den Garten erfassen wir Meteorwasser mit weiteren 10'000 und 5000 – Liter Tanks.

Haus für Mutter und Kind

Am 2. November 2018 verstarb mein Rauracherfreund, der Gynäkologe Dr. Urs Baumann v/o Forsch. Seine Familie wendete mir die Kondolenzspenden zu. Zu seinem Gedenken haben wir neben der Klinik in Mivumoni ein «Haus für Mutter und Kind» eingerichtet. Es enthält einen grossen sauberen Gebärsaal mit Klimaanlage, Räume für Schwangeren- Säuglings- und Frauenberatung, eine Impfstation und eine gynäkologische Praxis. Auch dieses Haus ist ein Novum und wird rege besucht. Von anfänglich wenig sind es bis Ende 2023 zwei bis vier  Geburten pro Woche, Tendenz steigend.

Natürlich hat sich auch in Mivumoni die monatliche Patientenzahl verfünffacht, der Ruf hat sich weit herumgesprochen. Weil wir den Bischof von Tanga, einer grossen Stadt 1½ Stunden entfernt, von einem chronischen Leiden befreit haben, heisst es überall «go to the Sisters», wenn jemand ernst erkrankt ist. Die leitende Clinical Officer Sr. Beatrice ist eine vielseitige und kompetente Ärztin. Sie bildet sich regelmässig weiter und konsultiert wie die Clincal Officers in Sanya Juu die «Oxford und Merk - Manuals», die ich angeschafft habe.

Alle Clinical Officers habe ich während Jahren durch die Sprechstunden begleitet und sie ausgebildet und beraten. Ich habe ihnen einfache Diagnostik vorgeschlagen. Rectaluntersuchungen bei Männern sind für Schwestern unangenehm. Um das zu umgehen fragen sie jeden über 60-jährigen Mann, wie oft er nachts zum Wasserlösen aufstehen müsse. Bei mehr als 2x ist die Diagnose einer Prostatahyperplasie gestellt und kann nun im Ultraschall verifiziert werden. Vaginale Untersuchungen sind bei Ordensfrauen und mehrheitlich muslimischen Frauen obsolet, dies umso mehr, als zytologische Abstriche mangels Diagnostik nicht möglich sind. Auch hier ist der Ultraschall das geeignete Mittel. Schwestern in Sanja Juu und Mivumoni sind darin sehr gut ausgebildet und erfolgreich. Das Gerät, das mir als Occasion geschenkt wurde, hat nach 25 Jahren den Geist aufgegeben. Soeben habe ich in Mivumoni ein neues angeschafft, es war in Tanzania zu guter Qualität erhältlich, natürlich aus China! Ein EKG – Gerät erlitt dasselbe Schicksal, nun bringt ein Nachfolgegerät eine noch bessere Diagnostik.

Für beide Kliniken setze ich nun Mittel ein, um Fachkräfte auszubilden, Reparaturen und Ersatz zu besorgen. Ohne den vom Rotary-Club Entlebuch angeschobenen und mit mehr als Fr. 300'000.00 mitfinanzierten Bau in Sanya Juu gäbe es auch jenen von Mivumoni nicht. Für diese Hilfe bin ich dem Club und den unzähligen wohlwollenden Spendern unendlich dankbar. Bald werden sich einige Rotarier in Tanzania von diesem Werk ein Bild machen. Welcome my friends!

Beat Ineichen

Im September 2024


Zielsetzung

Spendenkonto:



CH68 0077 8164 1278 1200 6

Rotary Club Entlebuch

6170 Schüpfheim

Vermerk: Kloster Sanya Juu in Tansania


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Entlebuch

Dokumente im Anhang